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Schönbacher Eltern kämpfen um ihre Grundschule PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 9. April 2009
Todesstoß des Kreises von langer Hand vorbereitet
(red). Im Rahmen einer Bürgerversammlung der Stadt Herborn unter Leitung des Stadtverordnetenvorstehers Jörg-Michael Müller (CDU) und unter Beteiligung u.a. von Schuldezernent Roland Wegricht (SPD) und Bürgermeister Hans Benner (SPD) machten Eltern und Kinder der Schönbacher Grundschule ihren Unmut über die Schließungsabsichten des Kreises deutlich.
Schulleiterin Esther Ringsdorf-Zörb hatte in einem Flugblatt im Auftrag der Schulgemeinde ihren Ärger darüber ausgedrückt, dass man von Dritten durch Zufall erfahren habe, dass der Kreis beabsichtige, die Schule zu schließen. Aus der Zeitung erfuhren die Kreistagsabgeordneten des Kreistages von den Plänen des Schuldezernenten. Eine Stillosigkeit der besonderen Art, denn es hätte sich gehört, die Fachleute im Schulausschuss über mögliche Absichten zu informieren, Berechnungen vorzulegen, um nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
Verhöhnung der Eltern
Wegricht hatte im Laufe der sehr disziplinierten Bürgerversammlung deutlich gemacht, dass man 2005 erstmals PCB-Messungen vorgenommen habe. Der durchschnittliche Wert habe bei 1000 Nanogramm gelegen, so dass die Schule in die Kategorie 4 eingestuft worden sei. Mit anderen Worten, Sanierungsbedarf ja, aber zu einem späteren Zeitpunkt.
Im Jahr 2007 habe man eine erneute Messung durchgeführt. Diese habe eine Belastung von 280 bis 2400 Nanogramm ergeben. Die höchste Belastung wurde im Küchenbereich festgestellt. In den Klassenzimmern lag die Belastung bei etwa 500 bis 600 Nanogramm. Dies bedeute, so Wegricht, dass nach den gesetzlichen Vorgaben die Schule spätestens zwei Jahre später zu schließen sei, wenn man bis dahin keine Sanierungen vorgenommen habe.
Da diese nicht vorgenommen wurden, bleibe ihm nichts anderes übrig, als die Schule zu schließen, denn schließlich habe der Kreistag beschlossen, einen Sperrvermerk über geplante Sanierungsmaßnahmen zu verhängen. Was Wegricht verschwieg, ist die Tatsache, dass SPD, FWG und Grüne für 2008 und aktuell für 2009 die Mittel mit einem Sperrvermerk versahen. Natürlich hätte man den Sperrvermerk aufheben können, doch weder Dezernent Wegricht noch die Kreistagsmehrheit der drei Parteien  haben dazu den Antrag gestellt.
Man hat bewusst Zeit verstreichen lassen. Jetzt sollen die derzeit knapp 100 Kinder nach Aussage von Wegricht zu Beginn des neuen Schuljahres komplett in eine andere Schule eingewiesen werden. In der Bürgerversammlung verweigerte er die Antwort auf die Frage, wohin und ob das denn gehe. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt.
CDU schrieb Kultusministerin an
In der Zwischenzeit hat die CDU-Kreistagsfraktion die Kultusministerin angeschrieben mit der Bitte, im Rahmen des Rechtlichen zu prüfen, ob entweder eine Fristverlängerung möglich sei oder aber der Kreis angehalten werden könne, eine erneute Messung durchzuführen, denn die 2007-er Messung sei an einem heißen Sommertag mit Temperaturen von 30 Grad vorgenommen worden, so dass Verzerrungen nicht ganz  unwahrscheinlich seien.
Ziel der CDU sei es, so Fraktionsvorsitzender Hans-Jürgen Irmer, sein Herborner Stellvertreter Jörg-Michael Müller und Kreisbeigeordneter Hans Jackel, Zeit zu gewinnen.
Um zu vermeiden, dass die Schönbacher Schule in der Zwischenzeit mehr oder weniger komplett an einen anderen Standort wechseln muss, brauche man Zeit, damit die Planungen und das Finanzierungskonzept reifen könnten.
Daher hoffe man, dass die Kultusministerin eine Ausnahmegenehmigung in Absprache mit den betroffenen Grundschuleltern erteile, um einen ordnungsgemäßen und die Kinder entlastenden Übergang zu ermöglichen.
3 Millionen Sanierungsbedarf?
Glaubt man den Aussagen des Landrates, sind für eine grundlegende PCB-Sanierung der Schule in Schönbach 3 Millionen Euro nötig. Diese Aussage tätigte SPD-Landrat Schuster gegenüber SPD-Bürgermeister Hans Benner. Diese Aussage ist in der Sache falsch, genauso wie die Behauptung des Landrates, dass in Schönbach in Zukunft keine durchgängige Einzügigkeit nachzuweisen sei.
Deshalb, so Schuster, könne die Schule geschlossen und der Sanierungsbedarf eingespart werden. Die Schüler aus Erdbach könnten in Breitscheid oder Medenbach und die Kinder aus Schönbach in Burg oder Herborn unterrichtet werden.
In einem weiteren Schreiben des Lahn-Dill-Kreises hat Landrat Schuster einen Monat später Bürgermeister Benner mitgeteilt, dass die PCB-Sanierung im Bereich der Turnhalle rund 500.000 Euro koste und eine Gesamtsanierung von Klassentrakt und Verwaltungstrakt (da geht es nicht nur um PCB) sich auf etwa 1,5 Millionen Euro belaufe. Hinzu kommen die Sanierung der WC-Gebäude, des Pausenganges, die Fassadensanierung aller Schulgebäude und die Dachsanierung der Schulgebäude sowie der Turnhalle. Hier kommt noch einmal eine Summe von etwas über 1 Million Euro zusammen.
Letztere Sanierungsmaßnahmen allerdings sind Ausdruck der Tatsache, dass der Kreis wie häufig schon berichtet in den letzten 25 Jahren entschieden zu wenig in die Bauunterhaltung investiert hat. Hier werden heute die Sünden der Vergangenheit offenkundig. Die Schulen sind als Ergebnis dieser Regierungszeit schlicht heruntergekommen.
Raumsituation verschlechtert sich
Die derzeitige Raumsituation insgesamt in der Grundschule Schönbach ist hervorragend. Es gibt Platz für alle Klassen und für Zusatzangebote. In dem Schreiben des Landrates an Bürgermeister Benner wird jedoch auch deutlich, dass bei einer wie auch immer gearteten neuen Schule kein Sammlungsraum mehr vorhanden ist, keine Aula, kein Raum für Naturwissenschaften, keine Küche, kein Esszimmer, keine Bücherei.
CDU für Sanierung
Um die derzeit gute Raumsituation auf Dauer für sinnvolle pädagogische Zwecke zu sichern, hat die CDU-Kreistagsfraktion einen Dringlichkeitsantrag in den Kreistag eingebracht. Dieser lautet in Kurzfassung:
1. Der Kreisausschuss wird beauftragt die Schule sanieren zu lassen.
2. Der Kreisausschuss wird beauftragt mit der Stadt Herborn mit dem Ziel zu verhandeln, dass Herborn die Trägerschaft für die Schulturnhalle übernimmt, sie saniert und für Schul- und Vereinssport zur Verfügung stellt.
3. Soll nach den Vorstellungen der CDU der Sperrvermerk für die Sanierung der Pestalozzischule aufgehoben werden. Und
4. Wird Schuldezernent Wegricht aufgefordert die Fortführung des Schulbetriebes zum 1.8.2009 ermöglichen.
Ergebnis?
Über das Ergebnis der Abstimmung, liebe Leser, können wir sie leider in dieser Ausgabe nicht informieren, denn der Kreistag hat am Montag dieser Woche getagt, genau zu dem Zeitpunkt an dem diese Zeitung gedruckt wird. Deshalb müssen wir sie in der Mai-Ausgabe informieren, was in der Abstimmung herausgekommen ist.
 
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