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Informationsbesuch auf Einladung von MdL Hans-Jürgen Irmer: PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 9. April 2009
Ministerin vom römischen Forum in Waldgirmes beeindruckt – Unterstützung zugesagt
(wf). Auf Einladung des heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Irmer besuchte die neue Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, die archäologische römische Grabungsstätte am Ortsrand von Waldgirmes, in der seit 1993 wissenschaftlich gearbeitet wird und die in ihrer Art im Europa nördlich der Alpen einmalig ist.
Die Entdeckung der römischen Siedlung, die auf Scherben-Lesefunde der Waldgirmeser Hobby-Archäologin Gerda Weller zurückgeht, brachte im Laufe der archäologischen Bearbeitung durch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Vor- und Frühgeschichte, und durch die Römisch-Germanische Kommission Frankfurt die bis dahin nirgendwo belegte und bezeugte Erkenntnis, dass die Römer im Germanien östlich des Rheins und nördlich des Mains auch zivile Siedlungen, Verwaltungszentren gegründet haben, um neben der militärischen Komponente auch auf diese Weise Germanien unter ihre Kontrolle zu bringen (was im Endergebnis aber nicht gelungen ist).
Auf diese Vorgehensweise wies schon der griechisch-römische Geschichtsschreiber, Senator und Konsul Cassius Dio um das Jahr 200 nach Christus hin. Die Aussagen Dios wurden aber bis vor wenigen Jahren von den Experten der Neuzeit bezweifelt und als eher theoretische Überlegungen bewertet, weil noch nie im Bereich Germaniens,  sprich im heutigen  Mittel- und Norddeutschland, eine solche zivile römische Stadt- und Verwaltungssitzgründung gefunden wurde. Bis - dank Gerda Weller - Waldgirmes in den Fokus rückte.
Seither sind sich Archäologen und Historiker einig, dass das bisherige Geschichtsverständnis weniger der relativ gut belegten römisch-militärischen Ereignisse, so doch der römisch-politischen Vorgehensweise vor rund 2000 Jahren mit dem Ziel der Einverleibung Germaniens in das Römische Reich in einem völlig anderen Licht gesehen werden muss.
Aufgrund einer in der Aufarbeitung eines acht Meter tiefen Brunnens eindeutig möglichen Zeitbestimmung wurde im Jahr 4 vor Christus mit dem Aufbau der zivilen römischen Siedlung bei Waldgirmes begonnen. Sie wurde aber schon im Jahre 9 nach Christus nach nur 13 Jahren Aufbauarbeit „über Nacht“ aufgegeben, geräumt und auch zerstört, als sich die Römer als Folge der militärischen Niederlage in der Varusschlacht wieder hinter den Rhein als natürliche Grenze zurückzogen.
Zurück blieben in Waldgirmes - und das als archäologische Einmaligkeit – die Zeugen einer römischen Stadtgründung in der allerersten Aufbauphase. Und genau das ist die wissenschaftliche Sensation mit den erheblichen und europaweit bedeutsamen Folgen für die Geschichtsschreibung, wie Grabungsleiter Dr. Martin Becker und Wilfried Paeschke, Vorsitzender des Fördervereins Römer-Forum Waldgirmes, während der Besichtigung der Grabungsstätte durch Ministerin Eva Kühne-Hörmann erläuterten.
Auch Bürgermeister Eckhard Schultz wies auf die Bedeutung des Forums für die Gemeinde Lahnau hin und übergab der Ministerin eine Machbarkeitsstudie, die Möglichkeiten eines künftigen Ausbaues des Forums zu einem touristischen Highlight aufzeigt.
Das alles kostet viel Geld, das aufzubringen die Gemeinde, Land, Bund und auch die EU gefordert sind. So sieht es auch die Wissenschaftsministerin, die ihre Unterstützung zusagte.
Am 9. und 10. Mai - eingedenk der Varusschlacht in der Nähe von Osnabrück vor jetzt genau 2000 Jahren - weisen der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes und die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Lahnau im Rahmen ihrer „Römertage“ die Öffentlichkeit auf die Einzigartigkeit und die immense historische Bedeutung der Grabungsstätte bei Waldgirmes hin.
 
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